Ein Buch, das dem besten Freund des Menschen gewidmet ist
„Ein Leben ohne Hunde ist möglich, aber sinnlos!“, das besagt schon ein altes Sprichwort. Diese Meinung teilen die Menschen querbeet aus allen gesellschaftlichen Schichten. Egal ob arm oder wohlhabend - der Hund gilt als bester Freund des Menschen.
Sophie Gordon hat sich in ihrem liebevoll gestalteten Bildband „Königliche Hunde“ speziell auf die Hunde des britischen Königshauses konzentriert. Von Queen Victorias Zeiten bis heute zeigen die 150, teilweise noch nicht veröffentlichten Fotografien alle Hunde, die eine wichtige Rolle im Königshaus spielten und spielen. Ausgangspunkt dieses vorliegenden Bandes war ein kleines Album mit Fotografien königlicher Hunde, das für Queen Victoria angelegt wurde. Es gehört zu den zahlreichen Schätzen der Royal Collection in Windsor Castle.„Königliche Hunde“, Sophie GordonElisabeth Sandmann Verlag, ISBN 978-3-938045-39-8
Tugendhafter Zeitvertreib, lustvolle Spinnereien
Frauen beschäftigten sich bis Mitte des letzten Jahrhunderts neben dem Haushalt ausgiebig mit Handarbeiten. Dabei wurden nicht nur wunderschöne Stickereien gezaubert, auch Künstler hielten diese Arbeit in ihren Gemälden fest. In dem Buch des Kunsthistorikers und Textilwissenschaftlers Thomas Blisniewski „Frauen, die den Faden in der Hand halten“ werden Gemälde von Künstlern beschrieben, die das Thema der handarbeitenden Frauen so reizvoll fanden, dass sie es immer wieder aufgriffen. Künstler wie Rubens, Renoir und Monet bilden in ihren Gemälden den Frauenalltag der zurückliegende Jahrhunderte ab. Auf diesen sind sowohl wohlhabende Frauen, Heilige aus der Bibel, römische Göttinnen und brave Hausfrauen, als auch Berufshandarbeiterinnen während ihrer handarbeitlichen Beschäftigung zu sehen. Die Kunstwerke sind aus verschiedenen Epochen seit dem 15. Jahrhundert ausgewählt. So wird durch die Zeitspanne nicht nur Kunstgeschichte gezeigt, sondern es werden zudem kultur- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge vermittelt.
„Frauen, die den Faden in der Hand halten – Handarbeitende Damen, Bürgersmädchen und Landfrauen von Rubens bis Hopper“, Thomas Blisniewski, Verlag Elisabeth Sandmann, ISBN 978-3-938045-35-0
(erschienen in Viverito 03/09)
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„Leichenblässe“
Sein Leben sind die Toten. In „Leichenblässe“ lässt Erfolgsautor Simon Beckett den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter bereits zum dritten Mal auf Spurensuche gehen. Nach „Die Chemie des Todes“ und „Kalte Asche“ diesmal nicht im heimischen Großbritannien, sondern über den großen Teich, wo den traumatisierten Wissenschaftler in Tennessee nicht nur Selbstzweifel und Angstträume plagen, sondern er zudem ungewollt in einen schwierigen und sadistisch ausgeführten Mordfall verwickelt wird, dem sich im Verlauf der Handlung wie am Fließband weitere hinzugesellen. Zwar sind die Bücher thematisch in sich abgeschlossen, dennoch empfiehlt es sich, sie nacheinander zu lesen, um sich in die Gefühlslage des Protagonisten Hunter gänzlich hineinversetzen zu können, der in der Vergangenheit selbst nur knapp dem Tod entronnen ist. Er ist im Übrigen der Einzige, auf dessen Seelenleben bisweilen allzu langatmig eingegangen wird, während andere Charaktere dagegen eher blass bleiben und so manches Klischee bedienen. Allzu Zartbesaitete sollten sich die Lektüre nicht einverleiben, denn detailliert und kenntnisreich wird über die Verwesungsprozesse der Leichen berichtet wie auch über die „Body Farm“ in Knoxville, jenem Freiluftgelände der Universität Tennessee, auf dem der Zerfall menschlicher Leichen untersucht wird. Doch was passiert eigentlich in Leichenblässe? Nach einer fast tödlichen Messerattacke zumindest physisch genesen, beschließt Dr. David Hunter einen Forschungsaufenthalt bei seinem alten Mentor Tom Lieberman in den Vereinigten Staaten zu verbringen. Dort wird eine gefolterte und stark verweste Leiche gefunden, die allerlei Fragen aufwirft. Von den Ermittlungsbeamten argwöhnisch beäugt, unterstützt Hunter die Ermittlungen. Als schließlich ein bekannter Profiler verschwindet und weitere Leichen auftauchen, wird klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss ...Simon Beckett berichtet in „Leichenblässe“ aus zwei Erzählperspektiven. Neben der gewohnten Ich-Erzählung gibt auch, sporadisch eingefügt, der Täter Einblicke in seine Denkweise. Bis zum horrorähnlichen Ende kann der Leser mitraten, ob er dem richtigen Täter auf der Spur war.
„Leichenblässe“,
Simon Beckett Verlag Wunderlich,
ISBN 978 3 8052 0866 6
(erschienen in Viverito 02/09)
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Die vergessenen Sammler
Zu Zeiten des Nationalsozialismus war die Enteignung ein wesentlicher Teil der Judenverfolgung. Sie betraf nicht nur Fabriken, Praxen oder Kanzleien, sondern auch Privatwohnungen, deren Einrichtung und vor allem auch die Kunst. Im größten Kunstraub aller Zeiten enteignete das Naziregime im Dritten Reich rund 600.000 Kunstwerke aus jüdischem Privatbesitz. Seit Ende des Krieges bemühen sich Geschädigte und Erben um die Erstattung ihrer „verlorenen“ Schätze, oftmals allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Heute, mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, geraten die Schicksale der damals beraubten Sammlermehr und mehr in Vergessenheit. Besonders aus diesem Grund geht es den Autoren des Buches „Verlorene Bilder, verlorene Leben“ um die Menschen, die Kunstwerke besaßen und verloren, weil sie Juden waren. Die jahrelange Recherche für die ausgewählten Biographien führte in die USA, nach Holland, Frankreich, Italien und Österreich bis in die Schweiz. Die Schicksale, Demütigungen und der erneute Betrug, den viele dieser Menschen auf der Suche nach ihrem Eigentum durchmachen mussten, geben tiefe Einblicke in die Problematik der Wiedergutmachung.
„Verlorene Bilder, verlorene Leben“
Melissa Müller, Monika Tatzkow
Elisabeth Sandmann ,Verlag
GmbH, ISBN 978-3-938045-30-5
(erschienen in Viverito 01/09)
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Seen, Berge, Bollerhut – das ist der Schwarzwald
Seinen Besuchern hat der Schwarzwald viele verschiedene Facetten zu bieten. Das zeigt auch der Bildband „Faszination Deutschland: Schwarzwald / Oberrhein“, der möglichst viele Anregungen geben möchte, Deutschlands höchstes Mittelgebirge immer wieder neu zu entdecken.
Bei der Auswahl der Bildmotive wurde besonderen Wert darauf gelegt, nicht nur landschaftliche Reize darzustellen, sondern auch die kulturellen Schätze wie Trachten, Uhren, die Fasnet, Klöster und Schlösser zu beleuchten.
Faszination Deutschland – Schwarzwald / Oberrhein
Hardcover mit Schutzumschlag, 400 Farbfotos,
160 Seiten
ISBN 978-3-89944-393-6
(erschienen in Viverito 05/08)
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So schläft man richtig
Fakt ist: die Hälfte der Deutschen hat Schlafprobleme. Jede einzelne wach gelegene Nacht lässt das Problem größer werden und die Unruhe des Betroffenen wachsen. Doch guten Schlaf kann man erlernen wie Prof. Dr. Jürgen Zulley in seinem Buch „So schlafen Sie gut“ zeigt.
In den meisten Fällen muss hierfür nicht einmal ein Arzt oder Schlafexperte hinzugezogen werden. So werden viele Schlafstörungen bereits durch falsches Verhalten am Tag verursacht. Das Buch beschreibt wie ein Tag gestaltet sein muss, um abends müde in die Kissen sinken und durchschlafen zu können.
Vor allem aber gibt Jürgen Zulley Hilfestellungen, wenn man trotz alledem nicht schlafen kann, denn Schlafmittel sind nur eine vorübergehende Lösung. Hierbei bezieht er sich auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Schlafforschung.
Prof. Dr. Jürgen Zulley
„So schlafen Sie gut“
Verlag Zabert Sandmann
ISBN 3-89883-218-2
(erschienen in Viverito 05/08)
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Mit 60 neu durchstarten
Die Zeiten, in denen man mit über 60 bereits zum „alten Eisen“ gehörte, sind schon lange vorbei. Heute können sich angehende Senioren dank medizinischen Fortschritts zumeist auf einen langen Ruhestand freuen, müssen sich daher allerdings auch auf ein letztes Lebensdrittel einstellen, das zeitlich ausgefüllt und finanziert werden will.
Jürgen Hunke, erfolgreicher Unternehmer, ehemaliger HSV-Präsident sowie Verleger und Förderer von Kultur und Sport, will mit seinem Buch „Du wirst 60 – und was dann?“ einen persönlichen Ratgeber an die Hand geben. Viele Menschen haben keine realistische Vorstellung davon, was in der dritten Lebensphasewirklich auf sie zukommt.
„Ich habe die Wirkung meines 60. Geburtstages unterschätzt. Egal, wie locker man alle runden Geburtstage zuvor genommen hat, 60 wird man nicht so nebenher. Ich habe mir Zeit für mich genommen und Rückschau gehalten. Dann habe ich mein Leben entrümpelt, um befreit zu neuen Zielen durchzustarten“, erklärt der heute 65-jährige Autor.
Jürgen Hunke, Du wirst 60 – und was dann? Durchstarten mit neuen Zielen.
Mikado Verlag,
ISBN 978-3-935436-26-7
(erschienen in Viverito 05/08)
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Internationaler Thriller
Henning Mankells „Der Chinese“ ist eine Reise in die Geschichte
In den kommenden Wochen blicken die Augen der Welt, dank der Olympischen Spiele 2008 in Peking wieder ganz besonders nach China. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der schwedische Autor Henning Mankell seinen Roman „Der Chinese“ in eben diesem Jahr veröffentlicht und darin auch politisch wird. Doch „Der Chinese“ ist durchaus nicht nur im Reich der Mitte angesiedelt, sondern verwebt Ereignisse, die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwartreichen, auf vier Kontinenten miteinander. Der blutrünstige Ausgangspunkt ist ein kleines nordschwedisches Dorf, Hudiksvall, in dem 18 Menschen, Hunde und Katzen geradezu abgeschlachtet wurden. Im fernen Kopenhageninteressiert sich die Richterin Birgitta Roslin für den Fall, als sie entdeckt, dass ihre Adoptiveltern unter den Opfern sind. Für sie beginnt damit eine Reise nicht nur an den Tatort sondern auch in ihre eigene Vergangenheit. Mit viel Einfüllungsvermögen, aber keineswegs sentimental gelingt es Mankell dabei die schleichende Entfremdung der Protagonistin von ihrem Mann zu beschreiben. Durch einen Zufall entdeckt Birgitta Roslin, dass ein rotes Band, das am Tatort gefunden wurde, von einer Lampe in einem Chinarestaurant in Hudiksvall stammt. Dank einer Überwachungskamera stößt sie auf einen chinesischen Mann, den sie für den Mörder hält und dessen Spur sie schließlich nach China führt. Dort gerät sie ins Visier eines mächtigen Wirtschaftsbosses. Dessen Vorfahren wiederum tauchen in einem weiteren Handlungsstrang auf, der ein Leben voller Unterdrückung und Schufterei im Amerika des 19. Jahrhundertslebendig werden lässt. Zurück in der Gegenwart kommen in der Hitze von Afrika schließlich moderne Varianten von Imperialismus auf, als eine chinesische Wirtschaftsdelegation die Umsiedlung armer chinesischer Bauern auf dem afrikanischen Kontinent plant. Und mit von der Partie ist jener chinesische Nachkomme, dessen Verstrickungen in die Geschehnisse in Schweden immer deutlicher werden. Der Autor versteht es geschickt, den Leser mitzunehmen auf seine internationale Reise und seine historischen Exkursionen.
Henning Mankell, „Der Chinese“, Szolnay Verlag,
605 Seiten,
ISBN 978-3-552-05436-3
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Marina Fiorato - Die Glasbläserin von Murano
Venedig ist bekanntlich die Stadt der Liebenden und die venezianische Glaskunst wird weltweit immer noch als Kostbarkeit geschätzt. Zwei gute Gründe, der Stadt einen Besuch abzustatten und zur Einstimmung einen Roman zu lesen, der beides miteinander vereint.
„Die Glasbläserin von Murano“ ist ein solcher, der, von der Venezianerin Marina Fiorato geschrieben, den Lesern das historische Venedig nahe bringt wie auch eine in der Gegenwart spielende Liebesgeschichte. Zum einen ist da die Geschichte des Glasbläsers Corradino Manin, der auf der Insel Murano streng abgeschirmt wird, um das damals wie ein wertvoller Schatz gehütete Geheimnis der Glasherstellung zu wahren. Zum anderen geht es um dessen Nachfahrin, die Künstlerin und Halbvenezianerin Leonora Manin, die viele Generationenspäter auf der Suche nach ihren Wurzeln in die Heimatstadt ihrer Vorfahren kommt.
Während in den historischen Episoden das Flair der Stadt stimmungsvoll wiedergegeben wird und man, spannend und interessant erzählt, viel erfährt über das Leben im Venedig von einst, gelingt es der Autorin nur bedingt, dieses Flair in die Zeit ihrer Protagonistin zu retten. Zu klischeehaft verkörpert Leonora Manin das Frauchen, das sich nach einer starken, männlichen Schulter zum Anlehnen sehnt und dies bis zum – wie könnte es anders sein – zuckersüßen Happy End durchzieht. Dennoch ist die geheimnisvolle Geschichte um ein Herz aus Glas eine unterhaltsame Lektüre ohne großen Anspruch für Mußestunden, die allerdings Freunde historischer Romane enttäuschen dürfte.
Fiorato, Marina: Die Glasbläserin vonMurano.
Rowohlt Taschenbuch Verlag,
ISBN 978 3 499 24400 1
(erschienen in Viverito 02/08)
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Kommen Sie, Cohn!
Antisemitismus. Das ist der neue Begriff, der während der christlich-jüdischen Ehe von der Schriftstellerin Clara Viebig und dem Verleger Friedrich Theodor Cohn aufkommt. Es ist die Jahrhundertwende, wo die von Theodor Fontane beschriebene Welt des preußischen Adels unterging.
Carola Stern erzählt in ihrem letzten Buch von einer zu der erzählten Zeit nicht üblichen Ehe. Kennen gelernt hat sich das junge Ehepaar über Fontane, den die angehende Autorin aufsuchte und um Rat bat. Fontane reicht die Manuskripte an den Verlag seines Sohnes weiter, wo Friedrich Theodor Cohn Teilinhaber ist. Von der Verbindung der beiden jungen Menschen ist die Familie nicht begeistert. So muss Fontane bei Claras Mutter vermitteln, Cohn gehöre doch zu den „feinen Juden“, nicht zu den „Unglück bringenden Ostjuden“.
„Kommen Sie, Cohn!“ berichtet von einer Liebesgeschichte zu einer Zeit, in der das dramatische Denken über die Andersartigkeit der Menschen seinen verheerenden Anfang nahm. Sehr spannend ist es, mitzuerleben, wie der Antisemitismus langsam seinen Ursprung fand und wie sich der Schrecken der 30er und 40er Jahre ankündigte.
Carola Stern hat bis zu ihrem Tod an ihrem letzten Buch gearbeitet. Letzte Ergänzungen und Überarbeitungen stammen von Ingke Brodersen, Carola Sterns langjähriger Lektorin und Freundin.
(erschienen in Viverito 01/08)
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Mit unseren Augen
„Warum reist man? Um zu sehen, zu begreifen, um sich zu verändern, um das Glück zu suchen, das kein Ort ist, sondern ein Gefühl, ein Zustand. Tom Krausz und ich haben es unterwegs immer wieder gefunden. Und erzählen davon.“
- Elke Heidenreich –
Wirkliches Glück kann nur jemand erfahren, der mit offenen Augen durch die Welt geht und die Schönheit, mit der die Welterfüllt ist, auf sich wirken lässt.
Elke Heidenreich, Autorin von Kolumnen, Buchbesprechungen und mehreren eigenen Büchern, und der Fotograf Tom Krausz, der unter anderem bereits für „Brigitte“, „Die Zeit“ und„essen & trinken“ tätig war, berichten von ihren persönlichen Glücksmomenten.
In Moskau trafen sie die russische Autorin LjudmilaUlitzkaja, in Wales und Schottland fanden sie die literarischen Spuren von Dylan Thomas und William Shakespeare, in Neuseeland wurden sie von der Schönheit der Natur überwältigt. In Venedig, Glyndebourne und Salzburg wurden Opernhäuser und die Heimat des großen Komponisten Giuseppe Verdi besucht.
Die Essenz des Reisens erfasst Heidenreich in dem Bericht über ihren Schottland-Besuch: „Auf Schottland sollte man sich einfach einlassen, ohne allzu viel zu planen. Die nächste Überraschung ist immer gleich hinter der nächsten Ecke.“
Dasselbe trifft auf „Mit unseren Augen“ zu. Man sollte sich ohne Erwartungen auf die Lektüre einlassen, um das große Lesevergnügen auf sich wirken zu lassen. Denn hier wartet die Überraschung immer gleich auf der nächsten Seite.
Heidenreich, Elke und Krausz, Tom: Mit unseren Augen. Reisegeschichten. Elisabeth Sandmann Verlag. ISBN: 978- -9 8045-21-3
(erschienen in Viverito 05/07)
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Mehr als eine Tochter?
Theodor Fontane ist jedem Literaturliebhaber ein Begriff. Wer seine Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” in der Schule nicht auswendig aufsagen oder seinen Roman „Effi Briest” lesen musste, kennt ihn vielleicht über seine Romane „Der Stechlin”, „Irrungen, Wirrungen” oder „Vor dem Sturm”. Über seine einzige Tochter Martha, Mete genannt, konnte man bisher nur in einzelnen Berichten oder Briefesammlungen lesen. Es wurde aber vermutet, dass Theodor Fontane Charaktermerkmale seiner Tochter auf seine Romanfi guren übertrug und dass seine Tochter so eine wichtige Rolle und Inspiration für seinen Schreibprozess war. Regina Dieterle versucht nun mit der ersten Martha-Fontane-Biografie „Die Tochter. Das Leben der Martha Fontane” die Person von „Mete” zu beleuchten und zu zeigen, dass sie eben mehr war als bloß eine Tochter. Martha war eine emanzipierte, gebildete Frau, die intellektuelle Gespräche führte, diskutierte, kritisierte und gerne und offen ihre Meinung vertrat. Sie wurde gefördert, erlernte den Beruf der Hauslehrerin, bewegte sich im Freundeskreis ihres Vaters und wuchs ohne Regeln und Grenzen auf. Scheinbar. Denn ihr Vater band sie an das Elternhaus, konnte sie nicht in ihr eigenes Leben entlassen. Martha Fontane blieb bis zu ihrer späten Verlobung immer die Tochter; die Versuche, ein eigenes Leben zu führen, scheiterten. Schließlich wurden Martha und ihre Eltern nur noch die „drei Fontanes” genannt, so selbstverständlich war das Bild des gemeinsamen Auftretens. Aber Martha war mehr als „bloß eine Tochter”. Sie war entscheidend an der Edition der Briefe ihres Vaters beteiligt, führte intensive Gespräche mit ihm und übte mit ihrer Kritik großen Einfl uss auf seine Werke aus. Regina Dieterle nimmt sich in ihrer Biografi e als Autorin zurück. Subjektive, wertende Kommentare und Interpretationen werden vermieden; die Auslegung der vielen veröffentlichten Briefe und Dokumente bleibt weitestgehend dem Leser überlassen. Dies kann als Beeinträchtigung der Lesbarkeit gesehen werden, hat aber den Vorteil einer „objektiven”, „neutralen” Wiedergabe der Fakten. Die erste Biografie Martha Fontanes, die als gut recherchiertes Werk mit einer Vielzahl von Quellen zu bezeichnen ist, gibt einen detaillierten Überblick über das Leben von Theodor Fontanes Tochter. Zu Recht schreibt Beatrice von Matt in der „Neuen Zürcher Zeitung”: „Regina Dieterle zeichnet ein ergreifendes Lebensbild von Theodor Fontanes Tochter Martha. Sie setzt ganz und gar auf Dokumente, dies aber in einer gradezu opulenten Weise. (…) Diese Dokumente versteht sie nun aber so geschickt zu arrangieren, zu zitieren und mit kulturgeschichtlichen Nachforschungen zu ergänzen, dass man glaubt, den Alltag der Fontanes real zu erleben.” Ein Buch, das nicht nur dazu dient, Aufschluss über Theodor Fontane zu geben. Es ist ein Buch, das einer bisher kaum bekannten historischen Person Leben einhaucht.
Erschienen im Carl Hanser Verlag
ISBN: 3-446-20774-0 / 978-3-446-20771-5
(erschienen in Viverito 02/07)
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Erinnerungsbuch eines Standhaften
Der Publizist und Historiker Joachim Fest hat mit seinen Biographien zu Adolf Hitler und Albert Speer ein Millionenpublikum erreicht. Mit seiner im Herbst letzten Jahres erschienen Biographie „Ich nicht“ gewährt der zwischenzeitlich verstorbene einstige Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ tiefen Einblick in seine Kindheit und Jugend im Dritten Reich.
Es ist die Geschichte von einem, der nicht mitmachte, oder vielmehr die Geschichte einer ganzen Familie, die in den dunkelsten Jahren Deutschlands Haltung bewies und den Mut aufbrachte, gegen den Strom zu schwimmen.
Ein Buch, das wohltuend anders ist als das des sich häutenden Günter Grass, und das auch heute aktuell ist vor dem Hintergrund des Bekanntwerdens der Mitgliedschaft in der NSDAP diverser Prominenter wie etwa Siegfried Lenz, Martin Walser und Dieter Hildebrand (zu lesen im „Focus“).
Fest versteht es in seiner schnörkellos eleganten Sprache, Triviales und Tragisches zu berichten. Er beschreibt den Alltag während der Hitler-Zeit auch mit banalen Erlebnissen, wie sie jedes Kind erlebt, und mit den erschütternden Erfahrungen des jungen Joachim Fest, die er am Kriegsende als Luftwaffenhelfer in den Ardennen und anschließend in amerikanischer Gefangenschaft machte.
„Ich nicht“ ist ein moralisches Lehrstück, das auf den Grundfesten einer Familie basiert, die sich kompromisslos gegen das Regime stellte und auch dann noch Bestand hatte, als der Vater, Johannes Fest, 1933 als Schulrat von Lichtenberg aus dem Staatsdienst entlassen wurde und sich die siebenköpfige Familie zunehmend schwierigeren materiellen Verhältnissen gegenüber sah. So spielt denn auch der Bildungsbürger, Katholik und überzeugter Preuße Johannes Fest eine zentrale Rolle, denn er ist es, der unerschütterlich für seine Überzeugung eintritt und sich des uneingeschränkten Rückhalts seiner Familie versichert. Der zweite Abendtisch etwa, den der Vater einführt und dazu nutzt, mit seinen älteren Söhnen unzensiert Gespräche führen zu können, ist ein wunderbares Beispiel für das Vertrauen, das der Vater in seine Kinder setzt, und auch dafür, wie er sie gleichzeitig Verschwiegenheit und Mut lehrt.
Und es sind Dialoge wie das nach dem Krieg (weiter-) geführte Streitgespräch mit dem Vater, das stattfand, als Joachim sich freiwillig zur Luftwaffe melden wollte, um nicht von der Waffen-SS eingezogen zu werden, die das Buch so eindringlich machen. „Du hast nicht Unrecht gehabt“, sagt Johannes Fest. „Aber Recht gehabt habe ich!“
Erschienen im Rowohlt Verlag
ISBN: 3-498-05305-1
(erschienen in Viverito 04/07)
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Der Preis des Wassers in Finistère
„Für jeden Menschen gibt es einen Platz, der zu ihm gehört.“
Für die Protagonistin und Ich-Erzählerin aus Malmstens neuem Roman ist dieser Platz Finistère. Sie verlässt ihre Heimat Schweden und kauft ein Haus an der wilden Küstenlandschaft am Atlantik. Dort schreibt sie über ihre Schreibblockade und verfasst schließlich einen Roman, der als „schauderhaft trocken“ kritisiert wird.
„Der Preis des Wassers in Finistère“ ist ein Buch über das Leben, die Literatur und das, was sie ausmacht. In ihrer neuen Heimat verliert die Protagonistin gelegentlich ihr Gesicht, aber niemals den Humor. Sie pflanzt Pfingstrosen, Lilien und Narzissen, verlegt Steinplatten, kauft Lampen und Toaster, kämpft mit Maulwürfen, Dachfenstern und Handwerkern und schafft sich so den Platz, der zu ihr gehört.
(erschienen in Viverito 03/07)
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Lebensplauderei einer Journalistin
In „Reifeprüfung“ zieht Petra Gerster die persönliche Bilanz einer Frau in den 50ern
Nahezu jeden Abend, Punkt 19 Uhr, ist Petra Gerster in deutschen Wohnzimmern zu Hause, wenn in der heute Sendung Nachrichten aus aller Welt verkündet werden, vorgetragen von einer attraktiven Frau in den besten Jahren.
Der eine oder andere Zuschauer sieht seit Erscheinen ihres Buches „Reifeprüfung“ vielleicht inzwischen etwas genauer auf die feinen Linien ihres Gesichtes, bekennt sich die Autorin doch in ihrem Werk dazu, Hormonersatztherapien und Schönheitsoperationen nicht nur vom Hörensagen zu kennen.
Alt werden vor der Kamera scheint demnach für eine Frau nahezu unmöglich, folgt man Petra Gersters Erlebnissen, in denen sie beschreibt, wie ältere Kolleginnen heruntergemacht werden.
Mit sympathischer Direktheit schreibt sie jedoch nicht nur von den Problemen, die der Übergang in die zweite Lebenshälfte mit sich bringt, beziehungsweise über das offensichtliche Unvermögen der Gesellschaft, Frauen um die 50 nicht nur mit Spott und Häme zu begegnen, sondern lässt den Leser auch an ihrem Leben als Vertreterin einer deutschen Nachkriegsgeneration teilhaben.
Wohl behütet aufgewachsen in einer liberalen Wormser Ärztefamilie, berichtet sie später humorvoll über das teils chaotische Zusammenleben in einer studentischen Wohngemeinschaft und ihre Erlebnisse mit der Studenten- und Frauenbewegung und gibt sachlich Einblicke in die Arbeitsbedingungen in Zeitungs-Redaktionen und bei Fernsehsendern.
Nicht zu vergessen der nachdenkliche Rückblick, mit dem sie zu Beginn ihres Buches die Lebenswege ihrer Mutter und Großmutter betrachtet.
Erschienen im Rowohlt Verlag, ISBN-13 978-3-87134-533-3
(erschienen in Viverito 01/07)
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